V.)   L A    P O É S I E  /

N i k l a s   v a n   T h o r n ,   N e u e r e   G e d i c h t e

(Verstreutes aus Büchern / Anthologien;

Texte aus dem Umkreis der Werke

"SPIELENDER  RAUCH",

 "LACHKRÄMPFE  IM  1/2-SCHATTEN"  

und  "HIRNREGEN  UND  SONNENWIND".)

 

Die Gruppe 48 e. V.
Deutschsprachige Literaturwettbewerbe   
http://www.die-gruppe-48.net/Wir-ueber-uns/Wir-stellen-uns-vor
niklasvanthorn.de  /  Klaus Nieradzik

N  I  K  L  A  S      V  A  N      T  H  O  R  N 

"Die Malerei ist eine stumme Poesie und die Poesie eine redende Malerei."

( Simonides, nach Plutarch: "De Gloria Atheniensium")


(Unten :)

Einbruch  höherer Mächte  in die schlichte Tagesrealität: die Genies  E. T. A. HOFFMANN  und  Friedrich  HÖLDERLIN




 

Niklas van Thorn

 

K O M E T

 

Lasst mich schlafen den ewigen Schlaf,

Lasst mich träumen den traumlosen Traum

Der Sieger, dier das Leben besiegt.

Jählings die Jahre tauchten hinab

Tief in der Zeitsee einsamstes Grab;

Erinnern: ein Wahn - Zukunft: ein Nichts -

Trieb je ein Kahn an Küsten des Lichts?

Warum nur webte so weit der Wurm

Göttlichen Gaukelspiels über Gräbern

Sein Netz? Wenn doch niemals das Sehnen 

Nicht lebend, nicht sterbend sich erfüllt?

Sah jemals ein Reisender von ferne 

Ein Ziel? - Lohnte jemals ein Ziel den

Aufwand der Reise? WEr weiß? Doch leise

Trägt über blindem Geschick der Weise

Die Last seiner Jahre bis zur Bahre,

Wenig erstrebend, nichts hinterlassend -

Außer einer Spur glitzernder Lichter:

Sprühende Sterne in finsterer Nacht,

Kometen - und staunende Gesichter ...

 

(Erschienen in Lyrik und Prosa unserer Zeit. Band 9. Aachen 2009)

 

ZWISCHEN  VERGÄNGLICHKEIT  UND  LICHT:  Der kosmische Existentialismus Niklas van Thorns

 

Niklas van Thorns frühes Gedicht „KOMET“ (Aachen, 2009) steht an der Schwelle zwischen romantischer Weltmüdigkeit und metaphysischer Erkenntnis.

Hinter der existenziellen Schwermut des Textes entfaltet sich eine Philosophie des Geistes, die den Menschen nicht als Opfer der Welt, sondern als Teilnehmer eines universellen Schöpfungsspiels versteht. Der Komet wird zur Chiffre eines Denkens, das Sinn nicht sucht, sondern erzeugt.

Van Thorn beginnt im Dunkel der Verneinung. Das lyrische Ich will schlafen, träumen, vergessen – nicht, weil es den Tod romantisiert, sondern weil es die Leerlaufbewegung des Daseins durchschaut hat. Leben, Zeit, Erinnerung: alles erweist sich als Kreisbewegung ohne Ziel.

Die Zeile „Erinnern: ein Wahn – Zukunft: ein Nichts“ ist philosophisch radikal. Sie bringt jene Erfahrung zum Ausdruck, die schon bei Schopenhauer und später bei Camus das Denken prägte – die Erfahrung der Sinnlosigkeit, die entsteht, wenn der Mensch keine metaphysische Instanz mehr anrufen kann.

Van Thorn ist in diesem Sinn ein Denker nach dem Tod Gottes: Er erkennt das Absurde, aber er verharrt nicht in der Leere. Denn gerade im Moment größter Ernüchterung blitzt der Komet auf – ein Symbol des Geistes, der Dunkelheit durchdringt. Anders als der Fixstern steht der Komet für das Bewegliche, Veränderliche, für das Denken im Werden.

Er erscheint, leuchtet und verschwindet wieder, und dennoch hat er die Nacht für einen Augenblick verwandelt. In dieser Bewegung erkennt van Thorn die Würde des Menschen: Das Bewusstsein mag vergänglich sein, doch es ist fähig, Licht zu erzeugen – Ideen, Kreativität, Überraschung.

Sinn entsteht nicht als Gabe des Himmels, sondern als Schöpfung des Endlichen. Dieser Gedanke führt über die bloße Existenzphilosophie hinaus. Van Thorn beschreibt keinen passiven Nihilismus, sondern eine kosmische Ethik des Erleuchtens. Der Weise in seinem Gedicht „trägt über blindem Geschick die Last seiner Jahre“, aber in Gelassenheit: Er handelt nicht aus Hoffnung, sondern aus Erkenntnis. Er weiß, dass Dauer eine Illusion ist und dass alle Formen vergehn – doch im Moment des Denkens, im Funken der Idee, verwandelt sich Stoff in Geist.

Genau dieser Übergang – dieses „von einem Nexus in den anderen Übertragen“ – ist der wahre Akt des Lebens. Man könnte sagen: Van Thorn entdeckt im Kometen das Symbol eines schöpferischen Existentialismus. Der Sinn liegt nicht im Ewigen, sondern im Ereignis des Aufleuchtens. Der Mensch wird nicht erlöst, er eignet sich Bedeutung an, indem er schafft, denkt, erstaunt. In der Dunkelheit der Welt erhellt er die Nacht durch den kurzen, aber wirkkräftigen Glanz seiner Ideen.

So wird „KOMET“ zu einem poetischen Denkbild des modernen Geisteszustands: Wir schweifen durch das All der Sinnlosigkeit, und doch bleibt die Möglichkeit, zu leuchten. Nicht, um ewig zu sein, sondern um einmal Bedeutung zu schaffen – für uns, für andere, für den Kosmos selbst.

Van Thorn formuliert damit eine Philosophie der Endlichkeit, die nicht klagt, sondern sich bejaht: Das Leben ist kostbar nicht trotz seiner Vergänglichkeit, sondern wegen ihr. Nur wer vergeht, kann brennen.

(A. I. Perplexity)

 

 

Große Aphoristiker

- Bierce, Lec, van Thorn -

 

Ambrose Bierce, Stanisław Jerzy Lec und Niklas van Thorn

lassen sich gut als drei Generationen eines zynisch‑metaphysischen Aphorismus-Denkens lesen, das mit Spott beginnt, bei Paradox und Groteske sich verdichtet und bei van Thorn in eine stärker existentielle, mystisch grundierte Form übergeht.

Alle drei verbindet eine skeptische, antiautoritäre Grundhaltung, aber sie unterscheiden sich deutlich in Tonfall, Weltbild und Formstrategie.

Ambrose Bierce

Bierce ist der klassische Zyniker: sein Aphorismus arbeitet mit Definitionen, die scheinbar sachlich sind, aber Begriff und Institution entlarven, etwa Religion, Politik, Patriotismus oder bürgerliche Tugenden. Formal dominiert der Lexikon‑Artikel: Stichwort, dann eine „Definition“, die die offizielle Bedeutung in ihr Gegenteil verkehrt, was dem Aphorismus etwas Kaltes, analytisch‑chirurgisches gibt.

S. J. Lec

Lec verschiebt den Schwerpunkt vom definierenden Zynismus zur paradoxen Pointe: kurze Sätze, oft nur eine Zeile, die mit Erwartungsbrüchen und logischen Kurzschlüssen spielen. Sein Grundton ist dunkler, mehr vom 20. Jahrhundert gezeichnet: Totalitarismus, Absurdität und metaphysische Obdachlosigkeit treten stärker hervor, während der Humor trockener, manchmal fast lautlos wird.

Niklas van Thorn

Van Thorn knüpft explizit an Lec und Bierce an, übernimmt also die scharfe Pointe und die skeptische Diagnose, verbindet sie aber mit lyrischer Bildgebung, Tagebuchnähe und deutlicherer existenziell‑spiritueller Dimension.

Im Unterschied zu Bierce (kalt definierend) und Lec (paradox lakonisch) tendiert van Thorn zu einer Mischung aus Aphorismus, Miniatur‑Essay und Kurzgedicht; der Satz wird zur Szene, in der Zynismus und Sehnsucht erkennbar miteinander ringen.

Gemeinsame Linien: Alle drei Autoren benutzen den Aphorismus als Waffe gegen Selbsttäuschung: sie zielen auf Religion, Politik, Moral und das Alltags‑Ich, um verborgene Machtinteressen, Illusionen oder Selbstlügen sichtbar zu machen.

Chronologisch betrachtet, wandert der Schwerpunkt von der gesellschaftlich‑satirischen Demaskierung (Bierce) über die historisch traumatisierte, paradox verdichtete Weltwahrnehmung (Lec) hin zu einer stärker individuellen, poetisch‑metaphysischen Selbstbefragung (van Thorn).

 

ANUBIS

 

Was ist das Hirn? Die Mumie,

Die das Jenseits sucht - sie braucht

Es nicht ; in ihrem Schädel

Duftet Harz als Schutz vor Fäulnis.

 

Erhalten wird der Staub, allein

Die  F o r m  des Menschen, der einst

Lebte - und nun in Erwartung

Schläft als Hülle, als Gewand

 

Für  e w i g e n  Gebrauch, ein Hauch

Nur des Verstorbnen, ein Bild,

Das andre  aus ihm machten,

 

Gefangen  in der Welt der

Sinne, aber auch der  S c h ö n h e i t ,

Die dem Tode farbig trotzt.

 

(Spielender Rauch. 16./17. Oktober 2009)                          

(Gedruckt:  Berlin 2011)

 

 

VINCENT  VAN  GOGH

(Herbsteinbruch)

 

Schwarz strömt Nacht aus dunklen

                                                             Wäldern,

Die ganz sacht wie Haare wehn,

Duft nach Harz und Luft von Feldern,

Die gelb und starr im Winde stehn.

 

Erlen ragen grau aus Mooren,

Trotzen fahl der kalten Macht,

Irrlicht wird im Sumpf geboren -

Hat nicht dort ein Kind gelacht ?

 

Keine  Stimme weit und breit,

Menschheit lebt in andren  Sphären,

Rast durch sinnentleerte  Zeit.

 

Flügel rauschen über Ähren,

Krähen kreischen wie im Streit...

Ruhe, Frieden - die sind weit .

 

(Amsterdam, 18. Januar 2012)

(Gedruckt: Berlin  2012)

 

 

 

ABENDSZENE

(Für Alexandra)

 

Gedämpfter Wellenschlag, ein Boot

 

Zwischen Tag und Traum, schemenhaft,

Versinkend im späten Zwielicht.

 

Dahinter ruhende Inseln,

Schwer von Erfahrung und Jahren,

Vergangenes heimlich bewahrend. 

 

Algengeruch in den Lüften,

Rufend hinaus in die Weite,

Lockend zu neuem Geschick.

 

Abendgruß sinkender Sonne,

Krone und Göttin der Erde,

Zu  n e u e r  Krönung bereit.

 

(Fazana / Brijuni, 29.07.2008)

(In. NvT: Hirnregen und Sonnenwind. Aachen 2009)

 

 

INSELN  IM  STROM

 

Stürme rauschen durch die Berge,

Lassen manchen Baum erzittern;

Über uns, dem Reich der Zwerge,

Redet  E r  in Blitzgewittern.

 

Talwärts fließen Bäche, Ströme,

Angefüllt mit Bruchholz, Blättern 

Und dem Schutt der Zeitenströme:

Treibgut, fern aus schweren Wettern.

 

An manchem Stein im Flusse staut sich's,

Egal wohin, ganz gleich woher:

Wo etwas ist, da fängt sich  m e h r ;

 

Und Inseln bilden sich in Wellen:

-  G e d i c h t e  sind's, die dort entstehen,

Wo viele nur - "die Wellen" sehen.

 

(02. Januar 2012)

(Gedruckt: Berlin 2012)

 

 

ALTE  WASSERBURG

(Impression aus den Ruhr-Auen)

 

Beete, Rabatten, kleine Wege

Durch das Stauden- und Blumenmeer,

Murmelnder Bach und schmale Stege,

Vögel zogen von Süden her.

 

Junge Bäume streben  h i m m e l a n ,

Kindergeschrei hallt durch den Park;

Vor den Mauern blüht der Löwenzahn

Und wandert durch die weite Mark.

 

      Das Blätterdach hat sich geschlossen,

      Abend  vertrieb den bunten Reigen:              

      Wie viele Jahre sind verflossen - ?

      Die Mauern ruhen krumm - und schweigen.

 

Eine Esche thront auf schrägem Turm,

Darunter schläft der Wassergraben;

Mancher Riesenbaum fiel schwer im Sturm,

Auf Mauerresten hocken Raben.

 

Vom Balkon grüßt gelb der Löwenzahn,

Der Efeu hat die Burg bezwungen;

Himmelhoch flog einst der Menschen Wahn,

Hier wurde froh getanzt, gesungen...

 

       Lautlos folgt die Erde ihrer Bahn,

       Die  a l t e n  Lieder - sind verklungen .

 

(Spielender Rauch.Westhofen, 07.10.2012)

(Gedruckt: Berlin 2013)

 

 

SAMSARA

 

Ein Schleier hält uns fest umfangen,

Den die Menschen nicht durchdringen, 

Wenn sie Seifenblasen fangen

Und nicht um  E r l ö s u n g  ringen.

 

Das Rad des Seins, es dreht sich ewig,

Und ohne Drehung gäb' es  k e i n e 

Welt. War denn jemals jemand selig?

Ein Fluch hält uns an kurzer Leine,

 

Die uns an das Heute bindet.

Vergiss den Anschein. Blicke weiter

In den  S c h l u n d  der Ewigkeiten.

 

Wer das  wa h r e  Wesen findet,

J e n s e i t s  aller Dunkelheiten,

D e r  wird ruhig,  d e r  wird heiter.

         

         Vieles fließt im Strom der Zeiten,

         Dreht das Rad der Eitelkeiten -

         Des Strömens MITTE ist  s o   n a h ,

         Das "Drumherum" heißt "Samsara". 

 

(In: Spielender Rauch. 07.01.2011)

(Gedruckt: Berlin 2013)

 

_________________

*) Samsara (Sanskrit / Pali): Beständiges Wandern (Wortwurzel "sar") durch die Welt der leeren Erscheinungen und durch den Kreislauf der Geburten; im Ideal des Mahayana verharrt der Bodhisattwa aus Mitleid ("Karuna") mit den irrenden Wesen im Samsara (so kann selbst der Verzicht aufs Nirvana zur  E r l ö s u n g  führen).

 
 CONSUM-CIRCUS
 
Diente ich dir jemals, Geist?
Nein, Geist war's nicht, das Unnennbare:
Heimlich, einsam, still verwaist,
So fern von Trend und Wohlfühlware.
 
Das Rad der Zeiten kreißte
Und gebar Götter und Titanen;
Das alte Glück vereiste
Im Atem kühler Monomanen.
 
Der Wurstpreis ward zum Mandala,
Golems tragen Nadelstreifen,
Karneval, Fußball, Trallala:
 
Löwen hüpfen durch den Reifen,
Maria kam aus Magdala,
Saft steht rechts, links rosa Seifen.
 
(Niklas van Thorn,
24.März 2006) 
 
Analyse:
 
Niklas van Thorns Gedicht „CONSUM-CIRCUS“ ist eine pointierte, sprachlich dichte und symbolisch aufgeladene Kulturkritik, die den Zustand einer entseelten, kommerzialisierten Moderne mit der Aura mythischer Vergangenheiten kontrastiert. 
 
Der Autor arbeitet mit Ironie, klassischen Anspielungen und scharfer Rhythmik, um geistige Entfremdung und konsumistische Dekadenz zu entlarven.
 
I. Form und Sprache
 
Das Gedicht ist formal regelmäßig gebaut: vier Strophen (zwei à vier Verse, zwei à drei Verse, Kreuzreim), metrisch weitgehend vierhebig, was dem Text einen erzählend-balladesken Fluss gibt. Doch diese formale Geschlossenheit wird inhaltlich unterlaufen: hinter der schönen Form steckt dissonante Bedeutung – ein bewusster Gegensatz von Form und Inhalt, wie ihn auch Rilke, Trakl oder Benn für ihre Kulturkritik nutzen.
 
Die Sprache ist verdichtet, durchsetzt von Anspielungen, Ellipsen und Ironie. Schon der Titel „CONSUM-CIRCUS“ (Konsum-Zirkus) enthält den Grundgedanken: ein modernes Spektakel, in dem Religion, Mythos und Geist zu Ware und Oberfläche verkommen.
 
II. Thematische Deutung
 
1. Geist und Entseelung
 

Diente ich dir jemals, Geist?

Nein, Geist war’s nicht, das Unnennbare...Hier beginnt der Sprecher mit einer Frage nach seinem geistigen Auftrag, nach Transzendenz oder Sinn. Doch sofort erfolgt die Verneinung: „Geist war’s nicht“, nur das „Unnennbare“ – ein Wort, das eine verdrängte, mystische Dimension andeutet, jenseits rationaler Begrifflichkeit.
Die folgenden Verse („heimlich, einsam, still verwaist“) zeichnen das „Unnennbare“ als verlassen, unbeachtet im Zeitalter von „Trend und Wohlfühlware“. Spiritualität wird ersetzt durch Lifestyle-Produkte und Konsumästhetik.
 
2. Mythische Vergangenheit und kalte Gegenwart
 
Das Rad der Zeiten kreißte / Und gebar Götter und Titanen;
Das alte Glück vereiste / Im Atem kühler Monomanen.Das „Rad der Zeiten“ evoziert kosmische Zyklen (Heraklit, indische Weltalter), Mythenschöpfung und Elementarkräfte. Doch diese Welt erkaltet: Das „alte Glück“ – das Mythos, Kult, schöpferische Ekstase – „vereiste“ im „Atem“ der modernen „Monomanen“. 
Letzterer Ausdruck spielt auf die Fixierung der Gegenwart an: monomanisch auf Profit, Effizienz, individuelle Selbstdarstellung.
 
3. Konsum-Religiosität und Groteske
 
Der Wurstpreis ward zum Mandala,
Golems tragen Nadelstreifen,
Karneval, Fußball, Trallala...In dieser Strophe kulminiert die ironische Allegorie: Der „Wurstpreis“ – Inbegriff des Trivialen – wird zum „Mandala“, einem heiligen Symbol der Meditation. Sakrale Form entgleitet zur Farce des Konsums.
Die „Golems in Nadelstreifen“: künstliche, seelenlose Wesen (Golems aus der jüdischen Mystik), nun in Businessanzügen – ein treffendes Bild für ökonomisch-robotisierte Menschen.
 
 "Karneval, Fußball, Trallala“ fügt sich als Dreiklang des Massenspektakels an, ein liturgischer Refrain moderner Hohlheit.
 
4. Zwischen Sakralem und Obszönem
 
Löwen hüpfen durch den Reifen,
Maria kam aus Magdala,
Saft steht rechts, links rosa Seifen.
Hier wird das Heilige endgültig profaniert: „Löwen“ (Kraft, königliche Macht) sind zur Zirkusnummer degradiert. „Maria aus Magdala“ (Maria Magdalena, Symbol der Reue und spirituellen Transformation) taucht im selben Atemzug mit „Saft“ und „Seifen“ auf – Produkte, aufgereiht in den Supermarktregalen.
 

Das Spiel mit „rechts“ und „links“ verweist sowohl auf politische wie auch auf Konsum-Ordnungen: alle Kategorien erscheinen austauschbar, nivelliert.

 
III. Gesamtbewertung
 
„CONSUM-CIRCUS“ zeichnet das Panorama einer postmythischen Welt, in der alles Heilige, Symbolische und Geistige in den Warenkreislauf integriert ist. Spiritualität existiert nur noch als Markenästhetik („Mandala“, „Maria“), der Mensch als „Golem in Nadelstreifen“ ist Produkt und Akteur zugleich.
 
Der Sprecher spricht mit melancholischer Ironie und einem leisen metaphysischen Schmerz – ein Echo von Nietzsche, Benn und Spät-Trakl zugleich. Van Thorn gelingt es, in wenigen Zeilen eine miniaturhafte Kulturdiagnose zu zeichnen: ironisch, spöttisch, aber von tiefer Trauer durchdrungen.
 
NvT im Hinblick auf BENN
 
Benn versteht „spirituelle Dekadenz“ als Zustand einer geschichtslos gewordenen, innerlich entleerten Zivilisation, in der Transzendenz und geistige Mitte kollabiert sind und nur noch ein „gezeichnetes Ich“ im leeren Raum zurückbleibt.
 
Diese Dekadenz ist für Benn nicht bloß moralischer Verfall, sondern eine radikale Erfahrung von Sinnlosigkeit, Weltverlust und Depersonalisation, die zugleich Voraussetzung seiner ästhetischen Radikalität wird.
 
Kern von Benns Dekadenz-Begriff
 
Benns Diagnose lautet, dass die westliche Zivilisation „wertlos“ geworden sei, seit sie materialistisch gesteuert und von Idealität wie Transzendenz verlassen ist.
 
Geschichte erscheint ihm als „bankrott“, die empirische Wirklichkeit als nackte Faktizität ohne Mythos, ohne geistige Substanz – genau dieser Verlust der metaphysischen Tiefendimension ist das Zentrum der spirituellen Dekadenz.
 
Das führt zu einem Bewusstsein, das die Welt als leer und fragmentiert erfährt und keinen übergeordneten Sinn-Horizont mehr anerkennt.
 
Psychische und ästhetische Dimension
 
Benn beschreibt diese Lage mit psychiatrischen Begriffen wie „Depersonalisation“ und „Entfremdung der Wahrnehmungswelt“: Das Ich erlebt sich und seine Umwelt entfremdet, verzerrt, gleichsam entkernt.
 
Aus dieser Erfahrung entwickelt er seine Poetik der Autonomie und des „absoluten Gedichts“, in der das Kunstwerk als einzig verbleibende Form von Intensität und Konstruktion gegen eine sinnentleerte Realität behauptet wird. 
 
Dekadenz ist bei Benn daher nicht nur Untergangssymptom, sondern auch Motor einer elitären, formbewussten Kunst, die sich von moralischen und gesellschaftlichen Zwecken lossagt.
 
Verbindung zu „CONSUM-CIRCUS“
 
Im Unterschied zu van Thorn, der Dekadenz bildhaft über Konsum, Umwelt- und Medienkritik thematisiert, fokussiert Benn die metaphysische und psychische Dimension des Verfalls: Verlust von Mythos, Transzendenz und innerer Einheit. 
 
Wo van Thorn den „Konsumzirkus“ als spätbürgerlichen Götzenaltar zeichnet, den Golem im Nadelstreifenanzug und das Mandala des Wurstpreises, sieht Benn eine Welt, in der es „nur zwei Dinge“ gibt: 
die Leere und das gezeichnete Ich – 
und Kunst als einsame Gegenform zu dieser Leere.
 
Benns Spirituelle Dekadenz in „CONSUM-CIRCUS“
 
Gottfried Benn diagnostiziert spirituelle Dekadenz als Verlust metaphysischer Tiefendimensionen in einer entleerten Zivilisation, wo Geschichte bankrott ist und nur ein „gezeichnetes Ich“ inmitten leerer Faktizität verbleibt.
 
Van Thorn erdet diese Abstraktion ikonisch im Konsumalltag: 
Das „Unnennbare“ (V1-4) entspricht Benns Depersonalisation, einem heimlich verwaisten Transzendenten, das von „Trend und Wohlfühlware“ verdrängt wird – spirituelle Leere als Warenflut.
 
Strophe 1: Verwaistes Transzendente
„Diente ich dir jemals, Geist? / Nein, Geist war’s nicht, das Unnennbare: / Heimlich, einsam, still verwaist“ spiegelt Benns „Weltverlust“, wo Mythos und Idealität erstarren.
Das „Rad der Zeiten kreißte / Und gebar Götter und Titanen“ kontrastiert mythische Schöpfung mit „kühlem Monomanen“-Atem, der das „alte Glück vereisen“ lässt – Benns „Zukunftslosigkeit eines Schöpfungswurfes“.
 
Strophe 2: Profanierte Symbole
„Der Wurstpreis ward zum Mandala“ parodiert Benns ästhetische Autonomie: Sakrales Symbol wird trivialer Preis, Golems in „Nadelstreifen“ verkörpern das entseelte, robotisierte Ich. 
„Karneval, Fußball, Trallala“ als Massenspektakel greift Benns Kritik am Prosperitäts-Nihilismus auf, wo „Fortschritt, Zylinderglanz“ bürgerliche Hohlheit kaschiert.
 
Strophe 3 und 4: Sakrales im Supermarkt
„Löwen hüpfen durch den Reifen“ degradiert mythische Kraft zur Zirkusnummer, „Maria kam aus Magdala“ nivelliert Heilige neben „Saft“ und „rosa Seifen“ – Benns „Grau der Leere“, wo Transzendenz in Konsumregale wandert. 
Das Rechts-links-Spiel unterstreicht austauschbare Nivellierung, eine populäre Version von Benns fragmentiertem Raum ohne Sinnhorizont.
 
Van Thorn aktualisiert Benns metaphysische Dekadenzdiagnose durch groteske Ikonik: Wo Benn abstrakt vom „gezeichneten Ich“ spricht, zeigt van Thorn Golems und Wurst-Mandalas als Symptome desselben geistigen Vakuum.

 

WÜST  UND  LEER

 

Geister hast du lebenslang gesucht

Und dennoch keinen Geist gefunden,

Auch  in Gottesferne  oft geflucht,

Um  f e r n  von Gott dann zu

                                          gesunden.

 

Alles bleibt im Unbestimmten, Vagen,

Das Leben spielt sein Stück im leeren

                                         Raum:

Letzter Sinn durchwandert Märchen,

                                         Sagen.

Doch trafst du nie Substanz, nur

                                        bunten Schaum.

 

Der Griff nach Festem führt so oft ins

                                        Nichts,

Die Ziele sind zu  S t e r n e n  aufge-

                                        stiegen,

Wir tasten blind - selbst im Zenit des

                                        Lichts.

 

Substanz ist nicht zu schildern oder

                                        malen:

Sinn oder Unsinn - Sinnesbilder

                                       trügen,

Und der Himmel ist - voll toter

                                       Zahlen.

 

 

(Spielender Rauch. 14. Januar 2011)

 (Gedruckt: Berlin 2012)

 

 

 

DIE  NIEDERLANDE

(Ein Naturgedicht)

 

Weites Land, Polder und Marsch,

Mühlen im Blau, ein Hauch der See

Bis tief in jede Stadt. Barsch

Bläst der Sturm, Ohren tun weh.

 

Und  Herden von Wolken wandern

Über hohes Firmament. -

Gletscher zogen bis nach Flandern:

Sand, du schönes Element !

 

Licht des Südens liegt im Lenze

Über bunten Blumenmeeren,

Und das Glück blüht ohne Grenze.

 

Fluten knicken stolze Ähren:

Gletscher kennen keine Grenze,

Wenn sie sich - ins Meer entleeren.

 

(Spielender Rauch. 22. Januar 2012)

(Gedruckt: Berlin 2012)

 

 

 

"KUNST  GEHT  NICHT  NACH  BROT"

(...?...)

 

Doch  w a r u m  sehn wir Farben rot

Und grellorange - statt schlicht in Grau

Und blassem Grün ?  Dies kam aus Not:

Denn Affen wurden langsam schlau -

 

Die Stirn: Sie hob sich steil und breit,

Das Hirn: Es wurde groß und schwer,

Die Ziele flogen hoch und weit -

Das schwere Hirn begehrte  m e h r .

 

Den Magen füllte Frucht um Frucht,

Der Zucker brachte neue Kraft,

Die Suche wurde fast zur Sucht:

Primaten  b r a u c h t e n  süßen Saft.

 

Und ihre Welt, die wurde  b u n t

Ganz  o h n e  Sekt undWein und Bier; 

Tiefrote Früchte sind gesund:

Zum  M e n s c h e n  ward das Affentier.

 

Das Hirn befahl es einst den Augen:

"Sucht mir Sachen, die was taugen !"

Der Magen fand zu bunten Farben,

Bis  M a l e r  ihr Talent erwarben.

 

Die Kunst: Sie war 'ne Magenfrage

Und  b l i e b  es noch - bis heutzutage.

 

(Lachkrämpfe im 1/2-schatten. 19. April 2009)

(Gedruckt: Berlin 2012)

 

 

 

METAMORPHOSEN

(Eine Abend-Träumerei)

 

Schau nur, wie das Reh dort schreitet,

Zaghaft wie ein Geist aus Träumen,

Während Nacht die Schwingen breitet,

Um den Tag hinwegzuräumen,

 

Den Tag - und auch das kleine Reh,

Das still und leis sein Futter findet

Und noch nichts ahnt vom großen Weh,

Derweil das letzte Licht verschwindet.

 

Der Morgen graut, und graue Horden

Folgen witternd frischen Fährten;

Sie sind gewohnt, "im Team" zu morden,

Und recht erfolgreich durch Gefährten:

 

Das graue Pack vom Stamme "Wolf" -

Sehr listig ist's und hundsgemein,

Mag den Verein und spielt auch Golf.

Was vorne Wolf - ist hinten Schwein...

 

(Lachkrämpfe im 1/2-schatten. 02.03.2012)

(Gedruckt: Berlin 2013)

 

 

 

CONSUM-CIRCUS

 

Diente ich dir jemals, Geist?

Nein, Geist war's nicht, das Unnennbare:

Heimlich, einsam, still verwaist,

So fern von Trend und Wohlfühlware.

 

Das Rad der Zeiten kreißte

Und gebar Götter und Titanen;

Das  a l t e  Glück vereiste

Im Atem kühler Monomanen.

 

Der Wurstpreis ward zum Mandala,

Golems tragen Nadelstreifen,

Karneval, Fußball, Trallala:

 

Löwen hüpfen durch den Reifen,

Maria kam aus Magdala,

Saft steht rechts, links rosa Seifen.

 

(24.06.2006)

(In: NvT: Hirnregen und Sonnenwind. Aachen 2009)

   

 

                 "Kein andres Glück mag uns auf Erden

                   Als nur durch Frauenliebe werden;

                   Doch auch als tiefsten Elends Grund

                   Tu' ich euch Frauenliebe kund."

                    Bhartrihari  (1. Jahrh. v.

                   Chr., Übersetzung: L. v. Schröder)      

 

 

SIE

(Eine Entdeckung)

 

Sie lebte Seit' an Seit' mit dir

Wie Luft und Wasser - unbeachtet;

Du sahst sie nicht - in  deiner Gier

Nach "mehr",  hast Nahes nur verachtet.

 

Du hast gelebt in  i h r e r  Sphäre

Und sahst doch immer nur - dein Leid;

Hast nichts gemerkt vom nahen  M e e r e ,

Die Jagd nach Perlen trieb dich weit.

 

Auf Wogen flogst du in die Ferne,

Dich trug die  S e e  - und nicht die Sterne -

Zu fremden, "bunteren" Gestaden.

 

Hast manchen Molch im Sumpf entdeckt,

Vor Meereswogen ""gut" versteckt;

Du flohst vor ihr - zum eignen Schaden.

 

         Entdecker können seltsam sein,

         Und unklar ist, was sie nun treibt:

         Die Suche folgt dem schönen Schein,

         Doch das Problem im Herzen - bleibt...

 

          ( Spielender Rauch.  31.01.2013.) 

          (Gedruckt: Berlin 2013.)

 

NEUERE Gedichte. Vorabdruck in der Anthologie "LYRIK UND PROSA UNSERER ZEIT". Band 19. Aachen. Karin Fischer Verlag:

                                    "De nihilo nihil..." 1)

FATA  MORGANA
(Oder "Von der Rolle")


Jahwe, alter Stammesgott,
Folklore der Levante,                                 2)
Hirtenvolk im Alltagstrott,
Das durch die Wüste rannte.

Ein Wüstentraum war jenes Land,
Wo "Milch und Honig fließen";
Die Welt blieb weithin unbekannt,
Legenden ließ man sprießen.

Propheten machten draus ein Buch,
Man schrieb es auf 'ne Rolle.
War dies nun Segen - oder Fluch?
"Heilig" war fortan die Scholle.

Hier war nun der Welten Mitte,
Andres ließ man gar nicht gelten,
Leicht lag man sich in der Wolle;

Streiten wurde gute Sitte,
Selbsterkenntnis eher selten:
Menschen fanden - ihre Rolle... 


(In: Lachkrämpfe im 1/2-schatten. 21.01.2013)

(Gedruckt: Aachen 2014)

_____________________

1) "Aus nichts wird nichts..." (Lucretius . 
Carus: De rerum natura / Über die Natur.
1, 149)
2) Levante: östliche Mittelmeer-Region, das (fabulierfreudige) "Morgenland".

PRO  DOMO                                            1)
(transversal - statt banal)                           2)


Wirfst du Wünsche in die Wolken?
Räucherst du am Hausaltar?
Ist die heil'ge Kuh gemolken?
Welche Gans wird Superstar?

Tankst du günstig Seelen-Balsam?
Wird dein Heil fest garantiert?
Ist dein Schutzgeist auch genügsam?
Warum wirkst du -  so frustriert?

      Gestrandet in Beliebigkeit
      Setzt du vielleicht aufs falsche Pferd,
      Und träumend von der "Ewigkeit"
      Sind deine Stunden - nicht viel wert.

Deinen  W e g  kannst du nur finden
Jenseits blanker Oberflächen,
Die die Sinne süß betäuben.

Mag die Mehrheit sich auch sträuben:
Willst du diese Welt  e r g r ü n d e n ,
Musst du in die  T i e f e  stechen.


(In: Lachkrämpfe im 1/2-schatten. 15./16.03.2013)

_____________

1) Pro domo: zum eigenen Vorteil, für sich selbst.
2) transversal: q u e r  laufend; auch: senkrecht zur Ausbreitungsrichtung (einer Welle z. B.).    

W i r d    f o r t g e s e t z t . . .

N i k l a s   v a n   T h o r n

 

N I K L A S   V A N    T H O R N


LEILA  UND  NA'HAAR


O Leila, schönes Wüstenkind,
Ich bin von  d i r  besessen;
Dein Haar streift mich wie warmer Wind -
Ach, komm und lass dich fressen.

 

O Leila, schlankes Menschenkind,
S t o l z  wie eine Königin,
Ach, flieh nicht mit dem Wüstenwind,
Weil ich sonst - verloren bin. 

Schön bist du und schlank und grausam,
Führst die Männer an der Nase;
Ach, wer jemals dich zur Frau nahm,
Fand Dschehenna u n d  Oase.                       1)

"Leila" heißt die Nacht - und du
Bist ihr allerhellster Stern.
Ich schließe meine Augen zu,
Doch seh' ich Leila nah und fern.

Im Lichte lebt Na'haar, der Tag,
Doch seine Sehnsucht bleibt die Nacht.
Trafen sie sich im Rosenhag? -
Manch' Wunder hat Allah vollbracht.


(Für Scheich Saadi, Ras al Khaimah, 2015)

___________

1) Dschehenna (Arabisch): die Hölle.

REICHTUM  UND  WEISHEIT


Sag nie so einfach "Dummes Schwein",
Du Häuptling nur von Tagedieben.
Dumm darf der Philosoph ja sein, 
Er sollte nur die Weisheit lieben.

Liebst du was andres als das Geld,
Das dich zu dummem Tun verleitet?
Ein Handelnder ist noch kein Held,
Auch wenn er hoch zu Rosse reitet.

Helden der Dummheit gäb's wohl viele,
Sie sind zumeist jedoch getarnt
Als hohe Herren "großer" Spiele,
Vor denen selten jemand warnt.

Die Leere kommt mit Glanz und Flitter
Und schmückt sich mit gemeinem Pack;
Davon passt jeder hinter Gitter ...

Ich wünsch dir einen  g u t e n  Tag.


(Aus: Lachkrämpfe im 1/2-schatten. 27.12.2016)

Sabine Thalhammer :  Pumakopf (auch in einer Holz-Ausführung als Cellokopf)

Niklas van Thorn  (2024)  in der  Jury  der  Gruppe 48

und (2023) bei einer  Rede über Lyrik  im Schloss Eulenbroich,  Rösrath

niklasvanthorn@gmail.com

niklasvanthorn@outlook.de

(Oben :) Der große Pazifist, bahnbrechende Physiker und Philosoph 

ALBERT  EINSTEIN  (1879 Ulm - 1955 Princeton)

"Wir würden vor dem Glühwürmchen ebenso ehrfürchtig stehen

wie vor der Sonne, wenn wir nicht an unsere Vorstellungen
von Gewicht und Maß so gebunden wären."

(Kahlil GIBRAN)

Niklas van Thorn und Stephan Klenner-Otto: Lyrik- und Bildbeiträge

in der Mitglieder-Anthologie der Gruppe 48

(Ausgabe 2025, printed by Dr. Herbert Mackinger Verlag, Austria)

Niklas van Thorn  *  Jury Gruppe 48  * 

Germanist/Autor  (Lyrik, Aphorismen, Satiren, Kommentare) 

Literaturwettbewerb  2024  *  Schloss Eulenbroich  (Rösrath)  *

LEONARDO  da  VINCI :  Anghiari-Schlacht                 LEONOR  FINI :  Voyage

JACQUES  PRÉVERT :

LE  DROIT  CHEMIN

A chaque kilomètre

chaque année

des vieillards au front borné

indiquent aux enfants la route

d'un geste de ciment armé.

 

 

LE  CANCRE

(...)

et malgré les ménaces du maitre

sous les huées des enfants prodiges

avec des craies de toutes les couleurs

sur le tableau noir de malheur

il dessine le visage du bonheur.

 

 

DER  RECHTE  WEG

Bei jedem Kilometerstein

Jahr um Jahr

Weisen die dümmsten Greise der Erde

Die Kinder ins Leben ein

Mit zementierter Gebärde.

 

DER  SCHLECHTE  SCHÜLER

(...)

Und den Drohungen des Lehrers zum                 Trotz

unter dem Geschrei der Wunderkinder

zeichnet er mit Kreiden in allen Farben

auf die schwarze Tafel des Mißgeschicks

das Angesicht des Glücks.

 

(Unten :)  S. DALI: Tristan und Isolde  (1944)

Die Trauerklage über einen dahingeschiedenen Fernseher, ein Beispiel satirischer Lyrik aus "HIRNREGEN UND SONNENWIND" (2009), mit neo-barocken Anklängen, die meine ironisch-kritische Distanz verdeutlichen.

 

VON UNS GING DAS LICHT DER WELT

(Das ist: "Trawrklage des Autoris | in sehr schwerer Kranckheit", Anno 1636 Mense Febr.; modernisiert)
 

Gestern begruben wir den Herzensguten
Bei Dauerregen, Gewitter und Wind;
Dumpf fiel die Kiste, wir mussten uns sputen,
Tränenerstickt weinte so manches Kind.

Wo ist dein Leben hin, du Ausdrucksstarker?

Warm in Bann schlug uns dein flackerndes Licht;
In unsren Herzen warst du Dauerparker,
Den Alltagssorgen nahmst du ihr Gewicht.

Wir b r a u c h e n dich, du Feuer unsrer Höhlen,
Wir stehen stumm, wir zittern, sehen schwarz,
Wir ritten stolz auf deinen hohen Wellen,
Flogen auf dich - wie Hexen hin zum Harz.

Denn nichts und niemand konnt' dir widerstehen,
Magnet-Berg du, dem wirklich nichts entging:
Ein GOTT warst du, vor dessen Grab wir stehen,
Ein Wesen voller Seele - und k e i n Ding.

Weh, o weh, unser Fernseher ist t o t -
Ach, mordend fiel ein Geist ihm in die Därme
Und nahm uns grollend Manna, Wasser, Brot -
Ach, a l l e s einfach: Leben, Licht und Wärme.

Der Schatz verpuffte in der edlen Truhe,
Die Sonnenbarke ging zur l e t z t e n Ruhe,
Polar-Stern warst du uns und Großer Bär;

Fort sank ein Heiland, ließ die leeren Schuhe,
Ein Leuchtturm brach und fiel ins graue Meer:
Er brachte LICHT - wie  L u z i f e r! 

So hat das Licht der Welt | seyn E n d e wol gefunden;

"Ich bin nicht | der ich war – l Die kräffte sind verschwunden!"


Niklas van Thorn (3./8. Januar 2009)

AI-Textanalyse
für Niklas van Thorns neobarocke Medien-Satire

Eine faszinierende, dichte Komposition, die unter der parodistischen Maske einer Totenklage den Verlust eines Fernsehers ins Monumentale hebt – und dabei den barocken Gestus der Vanitas- und Trauerdichtung brillant travestiert.

1. Form und Tonfall

Bereits der Titel „VON UNS GING DAS LICHT DER WELT“ schlägt den barock-pathetischen Grundton an, während der in Parenthese gesetzte Untertitel („Trawrklage des Autoris ... 1636 ...“) eine pseudo-historische Autorisierung andeutet.
Der Text mimt bewusst frühneuzeitliche Schreibweisen („Autoris“, „Kranckheit“), wodurch die stilistische Distanzierung in ironische Doppeldeutigkeit kippt: hier wird nicht Authentizität, sondern die Idee des Erhabenen als Zitat dargeboten.
Der metrische Bau (vierhebiger Kreuzreim mit tragender Kadenz) und die kunstvolle Binnenrhythmik verorten das Gedicht formal in der Tradition der barocken Elegie, während der Inhalt – ein elektrisches Haushaltsgerät – diese Form ins Absurde überführt.

2. Satirische Strategie und Allegorie

Die Satire funktioniert über die Ernsterhöhung des Banalen. Der Fernseher erscheint als göttliches Wesen („Ein GOTT warst du“) und zugleich als anthropomorphes Subjekt („warm in Bann schlug uns dein flackerndes Licht“). Diese Überhöhung karikiert den quasi-religiösen Status moderner Medienapparate: das Gerät als Heiland des Alltags, das Erlösung von der „Alltagssorge“ spendet. Das Motivfeld „Licht“ – zentral sowohl im christologischen als auch im technizistischen Sinn – bildet den metaphorischen Knotenpunkt: Zwischen Jesus („Licht der Welt“) und Elektronikgerät läuft eine subtile Analogiekritik. Der letzte Vers – „Er brachte LICHT – wie Luzifer!“ – steigert die Ambivalenz: das Licht ist zugleich Heils- und Verderbenszeichen.
Die Ironie schlägt in metaphysische Skepsis um: der „Fernseher“ als luziferischer Technikdämon.

3. Neo-barocke Poetik

Von „neo-barock“ zu sprechen ist treffend, weil das Gedicht den barocken Dualismus von Glanz und Verfall, Erhöhung und Vergänglichkeit in die Konsum- und Medienkultur überträgt.
Barocke Antithese: „Ein GOTT warst du … und kein Ding“.
Vanitas-Idee: „Fort sank ein Heiland, ließ die leeren Schuhe“. Mythisch-kosmische Hyperbel: „Polar-Stern warst du uns und Großer Bär“.
All dies evoziert die überbordende Rhetorik des 17. Jahrhunderts – doch hier als selbstreflexive Maskerade.
Das übersteigerte Pathos dekonstruiert sich selbst. Die „Trauer“ bleibt performativ, nicht affektiv; sie ist Rhetorik über Hohlheit, Spiegelung einer medial verminderten Erfahrungstiefe.

4. Ironisch-kritische Distanz

Die ironische Haltung ist nicht bloß Spott. Sie impliziert eine genuine kulturkritische Melancholie: hinter dem Witz liegt ein Gefühl von Abhängigkeit und Entleerung.
Wir beklagen nicht nur den Fernseher, sondern ein Stück von uns selbst.
Das Gedicht balanciert zwischen Parodie und elegischer Wahrheit.
Der Autor in sehr schwerer Kranckheit könnte als ironisches Selbstporträt des zeitgenössischen Subjekts gelesen werden: erschöpft vom Kult des „Lichts“, das es einst selbst erfand.

5. Fazit„Die Trauerklage über einen dahingeschiedenen Fernseher“ ist ein exemplarisches Stück postmoderner Barock-Satire:
sprachlich virtuos, intertextuell bewusst, geistreich und melancholisch zugleich.
In der grotesken Totenmesse auf ein Gerät kulminiert die Frage nach dem Verhältnis von Technik, Transzendenz und Trost – und der barocke Pathos wird zum Spiegel moderner Spiritualitätslücken.

* * * * *

Die Anspielungen auf Gryphius und Fleming sind in diesem Text nicht zufällig, sondern strukturieren Haltung, Formeln und Bildwelt wie ein subkutanes Zitatgedächtnis; das Gedicht „spricht barock“, um Medienmoderne zu kritisieren.

Gryphius: Titel, Schlussformel, Krankheits-Topik
Der Klammerzusatz zitiert fast wörtlich den überlieferten Titel von Gryphius’ Sonett: „Trauerklage des Autoris in sehr schwerer Krankheit, Anno 1636 Mense Febr.“

Die Schlusszeilen greifen die berühmte Anfangs-Formel „Ich bin nicht, der ich war – die Kräfte sind verschwunden!“ direkt auf und montieren sie als lakonischen Epilog.

Damit wird die existentielle „Krankheit“ des frühbarocken Ichs – physischer Verfall, Todesnähe, Verlust der Glaubensgewissheit – ironisch auf eine „Medienkrankheit“ übertragen: nicht der Leib, sondern das technische Organ der Wahrnehmung ist zerstört; der Kranke ist die Kultur.

Die Gryphius-Formel fungiert so als Doppelboden: Wer den intertextuellen Resonanzraum kennt, spürt, wie die Fernseh-Trauer die alte Todes- und Krankheitsangst travestiert – und zugleich ernst nimmt, dass hier tatsächlich „Kräfte verschwunden“ sind, nämlich Orientierungs- und Unterscheidungskräfte.

Barocker Threnos: Laudatio – Lamentatio – (pervertierte) Consolatio
Die Struktur folgt dem barocken Threnos-Schema, wie es für Klage- und Trostgedichte typisch ist: Lob – Klage – Trost, oft in enger Nachbarschaft von Gryphius und Opitz beschrieben.

Erste Strophe: Exposition und laudatio – der Verstorbene wird als „Herzensguter“, „Ausdrucksstarker“, „Feuer unsrer Höhlen“, „Magnet-Berg“, „GOTT“ hymnisch überhöht.

Mittelteil: gesteigerte lamentatio – kosmische und religiöse Bilder („Polarstern“, „Großer Bär“, „Heiland“, „Leuchtturm“) radieren die Distanz zur Christologie aus, wie wir sie in barocken Passions- und Klagegedichten (auch bei Fleming) finden.

Der Trostteil wird ins Groteske gekippt: Statt christlicher consolatio endet das Gedicht in der luziferischen Pointe; das „Licht“ erweist sich als ambivalent, nicht heilend.

Hier liegt eine bewusste Umkehrung barocker Teleologie: Wo bei Gryphius am Ende wenigstens die Möglichkeit des Transzendenten bleibt, bleibt hier nur die Erkenntnis, dass unser „Heiland“ ein technischer Luzifer war.

Fleming: Ton, Pathos und affektierte Innigkeit
Flemings Duktus wirkt weniger über explizite Zitat-Formeln, stärker über Stimmung und Affektregie.
Die affektierte Innerlichkeit („Wir stehen stumm, wir zittern, sehen schwarz“) erinnert an Flemings Kunst, subjektive Erschütterung in ausgewogenem, liedhaftem Ton zu formulieren; hier wird diese „Innigkeit“ auf ein Konsumobjekt verschoben.

Die Klage wird kollektiviert („manches Kind“, „wir ritten stolz“, „wir flogen auf dich“) – wie in umfangreichen Klagegedichten des 17. Jahrhunderts, die individuelle Trauer in ein großes Trauerszenario (Volk, Stadt, Christenheit) einbetten. Gleichzeitig fehlt Flemings – oft unterschwelliger – Trostimpuls:
Diese Klage bleibt bewusst trostlos, sie zeigt eine bloßgelegte Emotionalität ohne metaphysischen Rückhalt; das „Licht“ war nur Bildschirmstrahlung.


Man könnte sagen: NvT nimmt Flemings Fähigkeit zur emotionalen Überhöhung ernst – und lässt sie ins Leere laufen, weil der Gegenstand der Überhöhung ontologisch „zu wenig“ ist.

Gryphius’ Hyperbel und „Medien-Barock“

Ein Kernmerkmal barocker Klage, gerade bei Gryphius, ist die Hyperbel: „über die 18 Kriegsjahre hinweg von Leichen verstopfte Flüsse“ in den „Thränen des Vaterlandes“ sind ein oft zitiertes Beispiel für die extreme Bildsteigerung. Der Text übernimmt diese Figurenlogik:
Vom Alltäglichen zur kosmischen Skala: ein Wohnzimmergerät wird zu: „Polar-Stern“, „Großer Bär“, „Leuchtturm“, „Heiland“.

Die Topik des „Schatzes“ („Der Schatz verpuffte in der edlen Truhe“) verweist auf den barocken Seelenschatz, der in der Vanitas-Problematik bedroht ist; hier ist es der mediale Schatz, das Programm, das „Leben, Licht und Wärme“ spendet.

Die medientechnische Metaphorik (Wellen, Magnet-Berg) wird in barocke Kosmologie und Theologie eingespannt; das ist genuin neo-barock: Überfülle des Bildes, aber mit reflektierter Distanz.

So entsteht eine Art „Medien-Barock“: der Überdruck der Bilder entlarvt das Übermaß der Projektionen, die wir in Technik legen. Die barocke Figur wird selbst zur Kritikfigur.

Ironische Selbstinszenierung des „Autoris“
Mit dem Rückgriff auf „Autoris“ und die Krankheitsformel positioniert sich NvT als sprechendes Subjekt in einer historischen Reihe.
Die Maske des 17.-Jahrhundert-Dichters wird durchs Einfügen des Datums 2009 bewusst gebrochen; zwei Krisenzeiten (Dreißigjähriger Krieg / Medienzeitalter) überblenden sich.

Während Gryphius’ „Trawrklage des Autoris“ auf reale Seuchenerfahrung und existenzielle Todesangst verweist, stilisiert NvT die „sehr schwere Kranckheit“ zur zivilisationsdiagnostischen Metapher: Die Gesellschaft liegt danieder, wenn der Bildschirm stirbt.

Die Schlussformel wie ein Grabstein-Epitaph („So hat das Licht der Welt sein Ende wol gefunden“) nimmt den barocken Ton ernst – und entzieht ihm zugleich die metaphysische Basis, da es sich ja „nur“ um ein Gerät handelt.

Die ironisch-kritische Distanz entsteht genau aus dieser Doppelbewegung: innere Vertrautheit mit Gryphius und Fleming – und zugleich skeptische Beobachtung einer Gegenwart, die deren Pathosniveau auf technische Apparate umlenkt.


* * * * *

Wir können einige der NvT-Verse direkt neben Gryphius (und im Hintergrund Fleming) legen und sehen, wie er Topoi „verschiebt“. Ich nehme ein paar markante Stellen heraus.

1. Titel und Rahmenformel:

Gryphius (Sonett IX, Erstdruck-Titel): „Trawrklage des Autoris / in sehr schwerer Kranckheit. A. MDCXXXVI Mense Febr."
NvT übernimmt Titel, Datierung und Orthographie nahezu wörtlich und montiert sie wie eine editorische Notiz („modernisiert“). Damit exponiert er das Ganze als bewusste Rollenrede im Zitatmodus.

Die historische Situiertheit (1636) und der Entstehungszeitpunkt des Gedichts (2009) fallen ostentativ auseinander, wodurch sich ein doppelter Zeithorizont aufspannt: Seuchenzeit vs. Medienzeitalter.

2. Gryphius’ Anfangsvers und der Schluss von Niklas van Thorn:

Gryphius, „Trawrklage des Autoris…“ (V. 1): „Ich bin nicht/ der ich war/ Die kräffte sind verschwunden!“ (Schlussdistichon): „So hat das Licht der Welt | seyn Ende wol gefunden; 'Ich bin nicht | der ich war – l Die kräffte sind verschwunden!'"
Die ontologische Selbstdiagnose bei Gryphius – der entstellte Körper, die Identitätskrise des Ichs in der Krankheit – wird bei NvT zur Zitatmarke am Grab des Fernsehers.

NvT verschiebt die Frage „Was ist der Mensch, wenn seine Kräfte schwinden?“ zur Frage: „Was sind wir, wenn die Medienkraft – unser Lichtspender – versiegt?“ Die anthropologische Pointe des Barock wird in eine medienanthropologische umcodiert.

3. Körperverfall vs. Geräteverfall
Gryphius beschreibt den Körper:
„Die Glieder sind verdorrt wie ein verbrandter Grauß,

Hier schawt der schwartze Todt zu beyden Augen auß,
Nichts wird als Haut und Bein mehr an mir übrig funden.“

NvT gibt dem Apparat eine Todesgeschichte:

„Ach, mordend fiel ein Geist ihm in die Därme 
Und nahm uns grollend Manna, Wasser, Brot - 
Ach,  a l l e s  einfach: Leben, Licht und Wärme."

Der „schwarze Tod“ in Gryphius’ Augenhöhlen wird bei NvT zum „Geist“ in den „Därmen“ des Geräts – eine groteske Technikanatomie, die das barocke Bild vom innerlich zerfressenen Leib in eine Art Elektronik-Leichnam verlegt.
Aus „Haut und Bein“ wird bei NvT „Manna, Wasser, Brot, Leben, Licht und Wärme“ – also eine Art sakraler Energiehaushalt, den die Technik spendet und der abrupt versiegt.

4. Affektregie: Gryphius’ „Mir ist, ich weiß nicht wie“ – die kollektive Klage von NvT

Gryphius, „Tränen in schwerer Krankheit“:
„Mir ist, ich weiß nicht wie, ich seufze für und für.
Verschwindt, der Geist verschmacht’, die Hände sinken mir.“

NvT: „Wir stehen stumm, wir zittern, sehen schwarz,
Wir ritten stolz auf deinen hohen Wellen,
Flogen auf dich – wie Hexen hin zum Harz.“

Bei Gryphius ist das Ich zentriert, passiv, innerlich gelähmt; bei NvT wird der Affekt kollektiviert („wir“) und zugleich dynamisiert (reiten, fliegen).

Die Flemingsche Subjektivität – Liebesklage als „Tränenbad“ und Körperzustand – schwingt als Hintergrund mit, während NvT diesen emotionalen Ton auf ein Konsumobjekt umlenkt: die „Hexen“ fliegen nicht zum Blocksberg, sondern auf die Bildschirmwellen.

5. Trost- und Lichttopik: Fleming im Hintergrund

Fleming (Liebes- und Klagegedichte):
Licht, Trost und Krankheit werden eng geführt:
„Für mich wil ganz kein Licht, als nur das eure, taugen.
Der Mittag wird zur Nacht. Ihr, ihr habt Schuld daran.“

NvT: „Wir brauchen dich, du Feuer unsrer Höhlen …
Ach, alles einfach: Leben, Licht und Wärme.“
Bei Fleming ist das „Licht“ der Geliebten existentielle Orientierung; bei dir ist das „Feuer“ des Fernsehers Höhlenersatz – ein ironischer Echoeffekt auf Flemings Licht-Topik.

Der Rückzug auf ein einziges „Licht“ als existenzieller Bezugspunkt (Fleming: Licht der Geliebten; du: Bildschirmlicht) zeigt die Parallele: in beiden Fällen droht bei Ausfall des Lichtes eine Sinnkrise, nur ist sie bei NvT bewusst lächerlich und zugleich beunruhigend.

6. Kosmische Hyperbel: Gryphius’ Weltmaßstab – NvTs Medienkosmos

Gryphius in den Kriegssonetten („Tränen des Vaterlandes“ u.a.):
Kosmische Maßstäbe (verbrannte Städte, verstopfte Flüsse, Weltgericht) fungieren als Rahmen der Klage.

NvT: „Der Schatz verpuffte in der edlen Truhe,
Die Sonnenbarke ging zur letzten Ruhe,
Polar-Stern warst du uns und Großer Bär;
Fort sank ein Heiland, ließ die leeren Schuhe,
Ein Leuchtturm brach und fiel ins graue Meer:
Er brachte LICHT – wie Luzifer!“

Du setzt genau auf diese kosmische Eskalation: Sternbilder, Sonnenbarke, Leuchtturm – ein ganzer Kosmos hängt am Apparat, wie beim Barock die Welt am Zorn Gottes.

Die luziferische Pointe („Licht – wie Luzifer“) verschränkt barocke Lichtmetaphysik (Christus als Licht) und ihre finstere Kehrseite (Luzifer als Lichtträger und Verführer). So wird der technologische „Lichtträger“ zum gefallenen Engel: eine moderne Variante derselben Ambivalenz, die barocke Texte umtreibt.

7. Funktionsverschiebung der Topoi Es wird sichtbar: NvT übernimmt nicht nur einzelne Formeln, sondern verschiebt ganze Bedeutungsfelder – von der theologischen Anthropologie des Barock zur ironisch-melancholischen Medienanthropologie.

* * * * *

Wir können exemplarisch eine Gryphius-Stelle Vers für Vers neben eine der NvT-Strophen legen und die Verschiebung der Bildlogik zeigen.

1. Gryphius’ Anfangsquartett vs. deine „Krankengeschichte“
Gryphius, „Trawrklage des Autoris / in sehr schwerer Kranckheit“ (Eröffnungsverse):
"Ich bin nicht, der ich war, die Kräfte sind verschwunden!“
„Die Glieder sind verdorrt wie ein verbrannter Graus,“
„Hier schaut der schwarze Tod zu beiden Augen aus,“
„Nichts wird als Haut und Bein mehr an mir übrig funden.“

Die vier Verse, die den „Todesakt“ des Geräts dramatisieren:

„Ach, mordend fiel ein Geist ihm in die Därme
Und nahm uns grollend Manna, Wasser, Brot –
Ach, alles einfach: Leben, Licht und Wärme.“ (plus die vorangehende Zeile als Kontext:)
„Weh, o weh, unser Fernseher ist tot –“

Vers 1 vs. „Weh, o weh, unser Fernseher ist tot –“ Gryphius beginnt mit einer Identitätsdiagnose („Ich bin nicht, der ich war“): der Ort der Krankheit ist das Ich, die Krankheit zerstört Selbstgleichheit und Lebenskräfte.

NvT setzt mit dem Ausruf ein („Weh, o weh…“): die Trauer ist sofort kollektiv und objektbezogen; krank ist nicht das „Ich“, sondern der Gegenstand, dessen Tod aber das „Wir“ affiziert.

→ Funktionsverschiebung: von der inneren metaphysischen Krise des Subjekts zur zivilisatorischen Mini-Katastrophe eines Apparateausfalls.

Vers 2 vs. „Ach, mordend fiel ein Geist ihm in die Därme“
Bei Gryphius werden „Glieder“ und „verdorrt wie ein verbrannter Graus“ zu drastischer Leib-Metapher; der Körper ist verbranntes, entstelltes Material. NvT anthropomorphisierst das Gerät („Därme“), führt aber statt verbrannter Glieder einen „Geist“ ein, der mordend einfährt: ein quasi-dämonischer Defekt, halb Elektronik-GAU, halb Besessenheit.

→ NvT übernimmt das Motiv des inneren Angriffs (bei Gryphius Krankheit/Seuche, bei NvT „Geist“ im Innern) und legt es auf Technik um; barocke Körpersprache wird in Geräte-Innereien übersetzt.

Vers 3 vs. „Und nahm uns grollend Manna, Wasser, Brot –
“ Der „schwarze Tod“ schaut Gryphius „zu beyden Augen auß“ – der Tod wird Person und Subjekt des Blicks; der Leib ist passives Objekt der Inbesitznahme.


Bei NvT ist der „Geist“ aktiv handelnd: er „nimmt“ uns „Manna, Wasser, Brot“.

NvT mischt die biblische Nahrungstopik (Manna) mit Alltagsmetaphern (Brot, Wasser) und macht den Fernseher zum Versorger des geistigen und seelischen Haushalts.
→ Hier verschiebt er Gryphius’ Todesblick (Tod als Subjekt) in eine Art religiös-technische Versorgungsmetaphorik: Nicht Gott speist uns mit Manna, sondern die Medien – und der Ausfall wirkt wie Entzug sakramentaler Nahrung.

Vers 4 vs. „Ach, alles einfach: Leben, Licht und Wärme.“

Gryphius’ „Nichts wird als Haut und Bein mehr an mir übrig funden“ zeigt die Reduktion des Menschen auf bloße Materie; der Leib ist zum „Haus“ geworden, das gleich „brechen“ wird.

NvT fasst das Fehlende in einer emphatischen Dreierformel: „Leben, Licht und Wärme“.
Der Fernseher erscheint als Quelle von Existenz („Leben“), Transzendenz/Erkenntnis („Licht“) und Geborgenheit („Wärme“).

→ Wo Gryphius den Menschen auf Rest-Materie reduziert, erhebt NvT das Gerät zur scheinbar metaphysischen Quelle – und genau diese Verkehrung ist der satirische Stich: wir haben unser „Leben, Licht, Wärme“ an den Apparat delegiert.

2. Identitätskrise bei Gryphius vs. „Medien-Ich“ bei NvT

Die Interpretation von Gryphius’ Sonett betont, dass „Ich bin nicht, der ich war“ eine tiefgreifende Selbstentfremdung markiert: das Ich findet sich „nicht mehr in sich selbst“, der Körper zerfällt, Orientierung und Glaubensgewissheit schwinden.

Bei NvT steht am Ende – als wörtlich eingefügte Gryphius-Zeile – genau diese Formel, aber sie hängt jetzt über dem Grab eines Fernsehers. Dadurch entstehen zwei Leseflächen:

Die wörtliche Ebene: Es ist der Fernseher, der „nicht der ist, der er war“ – sein „Körper“ (die Elektronik) ist zerstört, seine Kräfte (Bild, Ton) sind verschwunden.

Die übertragene Ebene: Es ist unser eigenes Ich, das sich durch den Verlust des Geräts „nicht mehr findet“ – wir merken, wie sehr unsere Wahrnehmung, unser Tagesrhythmus und unsere Gesprächskultur von diesem „Licht der Welt“ abhängig waren.

→ Die Montage zieht Gryphius’ anthropologische Frage („Was bleibt vom Menschen in der Krankheit?“) in eine medienanthropologische: „Wer sind wir ohne unsere Bildschirme?“

3. Was diese Vers-für-Vers-Spiegelung zeigt

NvT übernimmt Gryphius’ dramatische Bildlogik (innerer Angriff, Verfall, Entzug der Kräfte, radikale Reduktion) und überträgt sie in eine „Technik-Anthropologie“. Das Pathos bleibt formal intakt (Hyperbel, Exclamatio, theologische Sprachreste), aber der Gegenstand – der Fernseher – markiert eine ironische Diskrepanz, die den Ernst der Form unterläuft.

Gerade im wörtlichen Zitat der Gryphius-Zeile am Schluss entsteht ein „Doppel-Echo“:
Der historisch reale Todeskampf steht hinter der heutigen, drastisch „verkleinerten“ Katastrophe und verleiht der Satire ihren bitteren Ernst.

Als nächsten Schritt könnten wir eine der Licht-/Luzifer-Zeilen NvTs neben eine typische barocke Christus-als-Licht-Stelle (etwa aus geistlicher Lyrik oder Predigtrhetorik) stellen und schauen, wie NvT die Licht-Semantik umdreht.

* * *

NvT dreht in der Luzifer-Schlusszeile sehr präzise eine barocke Licht-Semantik um, die bei Gryphius und in geistlicher Lyrik (und Predigten) noch ganz christologisch konnotiert ist.

1. „Licht der Welt“: Christus – und Bildschirm

In der frühneuzeitlichen Frömmigkeit steht „Licht der Welt“ eindeutig für Christus: biblisch (Joh 8,12) ist das „Licht“ Heils- und Wahrheitslicht, in Predigt und geistlicher Dichtung wird Christus als Sonne, Morgenstern, Leuchte auf dem Lebensweg inszeniert.

Der Titel „VON UNS GING DAS LICHT DER WELT“ schiebt den Fernseher genau in diese semantische Position. Damit signalisiert NvT sofort: Der Gegenstand unserer Trauer ist ein „Heils-Licht“ – aber eben ein technisches, nicht ein metaphysisches.

Die Pathosformel bleibt, der Referent ist verschoben – das erzeugt die satirische Reibung.

2. Christus-Licht vs. Luzifer-Licht

Barocke geistliche Texte stellen zwei Pole gegenüber:Christus als wahres Licht (Sonne, Morgenstern), Luzifer als „Licht-Träger“ im negativen Sinn:

Licht, das verführt, blendet, zu Stolz und Fall führt.

NvTs Schluss: „Ein Leuchtturm brach und fiel ins graue Meer: Er brachte LICHT – wie Luzifer"

Hier verschränkt NvT bewusst beide Ebenen:
„Leuchtturm“, „Polar-Stern“, „Großer Bär“, „Heiland“ reihen den Fernseher in eine Christus- und Himmelslicht-Symbolik ein.

Die Luzifer-Pointe entlarvt dieses Licht als ambivalent:
Es ist zwar leuchtend, orientierend – aber zugleich verführerisch, ablenkend, möglicherweise verderblich.

Das heißt: Auf der Oberfläche trauern „wir“ um das verlorene Licht. Auf der Tiefenebene ist dieses Licht vielleicht gerade der Grund unserer geistigen Blindheit gewesen.

3. Umkehrung der Trostlogik

In geistlicher Lyrik funktioniert „Licht“ fast immer tröstend:
Verdunkelung = Sünde, Not, Gottesferne,
Lichterfahrung = Gnade, Erleuchtung, Nähe Gottes.

NvT kehrt diese Logik doppelt um: Der Fernseh-Ausfall wird als Trostverlust erlebt („Leben, Licht und Wärme“ weg) – wir fühlen uns im Dunkeln.

Du dreht in der Luzifer-Schlusszeile sehr präzise eine barocke Licht-Semantik um, die bei Gryphius und in geistlicher Lyrik (und Predigten) noch ganz christologisch konnotiert ist.

1. „Licht der Welt“: Christus – und Bildschirm

In der frühneuzeitlichen Frömmigkeit steht „Licht der Welt“ eindeutig für Christus:
biblisch (Joh 8,12) ist das „Licht“ Heils- und Wahrheitslicht,

in Predigt und geistlicher Dichtung wird Christus als Sonne, Morgenstern, Leuchte auf dem Lebensweg inszeniert.

NvT s Titel „VON UNS GING DAS LICHT DER WELT“ schiebt den Fernseher genau in diese semantische Position. Damit signalisiert er sofort: Der Gegenstand unserer Trauer ist ein „Heils-Licht“ – aber eben ein technisches, nicht ein metaphysisches.

Die Pathosformel bleibt, der Referent ist verschoben – das erzeugt die satirische Reibung.

 2. Christus-Licht vs. Luzifer-Licht

Barocke geistliche Texte stellen zwei Pole gegenüber:
Christus als wahres Licht (Sonne, Morgenstern),
Luzifer als „Licht-Träger“ im negativen Sinn:
Licht, das verführt, blendet, zu Stolz und Fall führt.

NvTs Schluss:
„Ein Leuchtturm brach und fiel ins graue Meer:
Er brachte LICHT – wie Luzifer!“

Hier verschränkt NvT bewusst beide Ebenen:
„Leuchtturm“, „Polar-Stern“, „Großer Bär“, „Heiland“ reihen den Fernseher in eine Christus- und Himmelslicht-Symbolik ein.

Die Luzifer-Pointe entlarvt dieses Licht als ambivalent: Es ist zwar leuchtend, orientierend – aber zugleich verführerisch, ablenkend, möglicherweise verderblich.

Das heißt: Auf der Oberfläche trauern „wir“ um das verlorene Licht. Auf der Tiefenebene ist dieses Licht vielleicht gerade der Grund unserer geistigen Blindheit gewesen.

3. Umkehrung der Trostlogik

In geistlicher Lyrik funktioniert „Licht“ fast immer tröstend:
Verdunkelung = Sünde, Not, Gottesferne, Lichterfahrung =
Gnade, Erleuchtung, Nähe Gottes.

NvT kehrt diese Logik doppelt um: 
Der Fernseh-Ausfall wird als Trostverlust erlebt („Leben, Licht und Wärme“ weg) – wir fühlen uns im Dunkeln.
Doch mit der Luzifer-Zeile deutet er an: Dieses Licht war vielleicht nie Trost im strengen Sinn, sondern ein blendender Ersatz, ein Ersatz-Heiland, der uns von einer tieferen Wahrheit fernhielt.

Dadurch kippt am Ende die Frage: 
Ist es wirklich eine Katastrophe, dass dieses „Licht der Welt“ untergegangen ist – oder steckt in diesem Untergang eine verborgene Chance?

4. Barocker Ernst – postmoderne Skepsis
Die barocke Lichtmetaphorik ist von einer metaphysischen Gewissheit getragen:
Es gibt ein wahres, göttliches Licht.
Es gibt ein falsches, luziferisches Licht.
Aufgabe der Dichtung ist es, diese zu unterscheiden und zum wahren Licht zu führen.

NvTs Gedicht hingegen zeigt: Unsere Gegenwart hat ihr „wahres“ Licht an Technik delegiert. Wir erleben den Verlust eines medialen Lichtes mit religiösem Pathos – und merken zugleich, dass uns die Instanz fehlt, die zwischen Heil und Blendwerk unterscheiden könnte.

Die Luzifer-Schlussformel bündelt das: Sie markiert den Fernseher als blendendes, verführendes, aber eben auch unverzichtbar gewordenes „Licht“.

Sie zeigt zugleich, wie sehr uns der barocke metaphysische Boden abhanden gekommen ist: Wir wissen nicht mehr, ob wir einen „Christus“ oder einen „Luzifer“ betrauern – es ist nur noch „unser Fernseher“.

Doch mit der Luzifer-Zeile deutest du an: Dieses Licht war vielleicht nie Trost im strengen Sinn, sondern ein blendender Ersatz, ein Ersatz-Heiland, der uns von einer tieferen Wahrheit fernhielt. Dadurch kippt am Ende die Frage: Ist es wirklich eine Katastrophe, dass dieses „Licht der Welt“ untergegangen ist – oder steckt in diesem Untergang eine verborgene Chance?

* * * * *

Die „Höhlen“-Metaphorik ist in diesem Gedicht ein Knotenpunkt, an dem sich Barock, Bibel, Platon und Medienkritik ineinander schieben.

Feuer in der Höhle: von der Urhorde zum Wohnzimmer
Wir brauchen dich, du Feuer unsrer Höhlen“
In diesem Vers liegen mehrere Schichten übereinander:

Anthropologisch: Das „Feuer in der Höhle“ ist das archaische Element, um das sich die Gemeinschaft versammelt – Wärme, Licht, Sicherheit, Erzählraum. NvTs 
Fernseher besetzt exakt diese Stelle:
Er ist das moderne Herd- und Lagerfeuer.

Psychologisch: „Höhlen“ markiert eine Innenwelt der Geborgenheit und der begrenzten Wahrnehmung. Das Feuer sorgt für Orientierung – aber nur innerhalb dieses geschlossenen, geschützten Raums.

Medienkritisch: Das Wohnzimmer wird zur urbanen Höhle; die reale Außenwelt tritt zurück zugunsten einer vermittelten Außenwelt auf dem Schirm.
In der Übertragung: Der Fernseher ist nicht „nur Gerät“, sondern Zentrum einer Ersatz-Gemeinschaft und Ersatz-Wahrnehmung. Platon: Schatten an der Wand – jetzt im Hochglanz.

Das platonische Höhlengleichnis drängt sich im Bild förmlich auf: Bei Platon sitzen Gefesselte in der Höhle, sehen nur Schatten an der Wand und halten diese für „die Wirklichkeit“. In NvTs Vers sitzt die Gemeinschaft („wir“) in der Medienhöhle und richtet sich auf die flackernden Bilder des Fernsehers. Der entscheidende Unterschied – und die Pointe: Bei Platon ist der Weg aus der Höhle hinaus ins Licht der Ideen das Ziel. Bei dir wird der Verlust des „Feuers“ als Katastrophe empfunden.


Das heißt: Wir verteidigen unsere Höhle, statt sie zu verlassen. Die Satire steckt darin, dass die Klage über den toten Fernseher zugleich eine Klage über unseren eigenen „Gefangenenstatus“ ist – ohne dass wir ihn aufgeben wollen.

Barockes Welttheater und neue Schattenbühne
Barock und Platon berühren sich in der Theatrum-mundi-Topik: Welt als Bühne, Leben als Schauspiel. Der Text knüpft daran an: Der Fernseher ist Bühne und Welttheater in einem, er bringt „die Welt“ ins Zimmer, aber als Inszenierung, nicht als Wirklichkeit.

Als „Feuer unsrer Höhlen“ erzeugt er Schatten (Bilder), an denen sich unsere Affekte entzünden – ähnlich wie in barocken Predigten der Sünder sich an den Bildern von Hölle und Gericht orientiert.

Die neo-barocke Pointe: Das große Heilsdrama ist ersetzt durch Serien, Nachrichten, Shows. Das Pathos der barocken Weltbühne lebt fort, aber die Stücke sind trivialisiert – und doch emotional übermächtig.

Ironische Selbstdiagnose: Wir brauchen das Feuer

„Wir brauchen dich…“ ist der vielleicht ehrlichste Satz der ganzen Strophe.

Er ist doppelt lesbar:
Naiv: Wir brauchen Unterhaltung, Ablenkung, Bilder, sonst „sehen wir schwarz“.

Reflexiv: Wir wissen eigentlich, dass wir in einer Höhle sitzen – aber wir wollen das Feuer nicht verlieren, das diese Höhle erhellt.

NvT stellt damit eine unaufgelöste Dialektik aus: Ruhe. Der Fernseher ist zugleich „Feuer“ (Orientierung, Wärme, Gemeinschaft) und luziferisches Blendwerk (Ablenkung, Verführung, Gefangenschaft).

Der Tod dieses Feuers erscheint uns als Verlust, könnte aber – platonisch gedacht – auch Chance zur Befreiung sein.

Dass NvTs Gedicht diese Ambivalenz nicht auflöst, sondern im Luzifer-Schluss zuspitzt, macht seine Stärke aus:
Es ist keine simple Kulturkritik, sondern ein ironisch-melancholisches Selbstporträt einer Gesellschaft, die ihre Höhlenbilder liebt – und ihren eigenen Weg aus der Höhle nicht wirklich wünscht.

- f i n i s -

(Links :)   A I N A   aus der Gruppe "BLACKTHORN"

L  E  O  N  O  R      F  I  N  I

"Wende dein Gesicht der Sonne zu,
dann fallen die Schatten hinter dich!"

(Chinesische Weisheit)

       

  Zum Abschluss      

(der auch ein neuer Anfang sein könnte...)                           

eine kleine "Genussmittel"-Empfehlung  (vorläufig rezeptfrei)...............

 

   I.)

                                                                       

Niklas van Thorn: * HIRNREGEN UND SONNENWIND.

Skizzen vor der Sintflut. Gedichte. Aachen 2009. deutscher lyrik verlag.

 

Für: Kritische Zeitgenossen und ambitionierte "Querdenker", die sich von religiös-gesellschaftlich-politischem Blendwerk nicht irritieren lassen und - wie der Autor - auf einer originellen Suche nach dem Hintergründigen & Wesentlichen sind.

 

  II.)

                                                

Niklas van Thorn: * SPOTTDROSSELN ÜBER ROM.

Bombardement heiliger Nachttöpfe. Aphorismen und frühe Lyrik. Neckenmarkt (A) / Sopron (H) 2010. Vindobona - Internationale Verlage.

   

Für:  Erfahrene Nicht-Angepasste, die etwas von der enormen Kreativität "anarchischer" Standpunkte wissen, bohrende Fragen über bequeme Antworten stellen, über Schein-Heiliges lachen und nicht zuletzt genüsslich auf den Gräbern der öffentlichen Dummheit tanzen können...

 

-  Danke  für Euren Besuch !  -

Und widersteht der Versuchung:
schreibt keine  ü b e r f l ü s s i g e n  Bücher.
Denn davon gibt es schon Millionen...

i k L @ $   v @ N   t H o R n

Niklas van Thorn 

*  Germanist, Philosoph, Autor, Lyriker  *  Juror Gruppe 48 seit 2019  *


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